Er ist ein Meister im Chillen

Die meisten Tiere im Zoo Zürich können mit hohen Temperaturen gut umgehen. Eine Massnahme, die viele Tiere nutzen: ruhen und Energie sparen. Perfektioniert hat diese Strategie der Koala.

Träge döst das Koalamännchen in der ­Astgabel des grossen Eukalyptusbaums. Arme, Beine, Kopf – alles wird von der Schwerkraft Richtung Boden gezogen. Stundenlang können die Tiere so verharren. Nur ab und zu blickt er auf, rutscht ein wenig von links nach rechts, positioniert sich neu in der Astgabel und verfällt dann wieder in den Energiesparmodus, wie es in einer Mitteilung des Zoos Zürich heisst.

Das ständige Ruhen sei eine Anpassung an ihre spezielle Ernährung sowie an ihren trockenen und heissen Lebensraum Australien. «Das natürliche Verbreitungsgebiet des Koalas erstreckt sich über die Eukalyptuswälder an der Süd- und der Ostküste Australiens», schreibt der Zoo. Dort würden vor allem in den Sommermonaten häufig Temperaturen um die 30 Grad Celsius herrschen.

Koalas ziehen sich dann an schattige Plätze zurück. Die Eukalyptuswälder nutzen sie dabei als natürliche Klimaanlagen. Nicht überall im Wald herrschen die gleichen Temperaturen. Es gibt Mikro­habitate, die mehrere Grad kühler sind als die Umgebung. Koalas suchen diese Orte gezielt auf. Dort verharren sie und beschränken ihre aktiven Phasen auf die kühleren Morgen- oder Abendstunden.

«Jede Bewegung erzeugt Körperwärme und kostet Energie», so der Zoo. Energie, die dem Koala durch seine Nahrung – schwer verdaulicher Eukalyptus – nur in begrenztem Masse zur Verfügung stehe. Viel Bewegung verbrauche viel Energie – mehr, als Koalas täglich aufnehmen könnten. Also ruhen sie. Und schlafen. Und ruhen. Und das bis zu 20 Stunden täglich.

Der Stoffwechsel des Koalas ist im Vergleich zu anderen Säugetierarten zudem sehr niedrig. Dadurch produzieren die Tiere weniger körpereigene Wärme und benötigen weniger Energie und Wasser.

Koalas trinken laut Mitteilung extrem selten. Sie decken ihren Wasserbedarf üblicherweise vollständig durch ihre Nahrung. Eukalyptusblätter haben einen hohen Wasseranteil von 60 bis 80 Prozent. Während des Verdauungsprozesses entzieht ihr Körper der Nahrung dieses Wasser. Auch ist ein Koala sehr sparsam im Umgang mit Wasser. Der Urin der Tiere ist stark konzentriert und wird nur einmal täglich abgesetzt. Zusätzliches Wasser nehmen die Tiere durch den morgendlichen Tau auf, der sich auf den Eukalyptusblättern sammelt. Nur in sehr heissen und langen Dürreperioden kann es vorkommen, dass ein Koala eine Wasserstelle am Boden aufsucht.

Dank ausgeklügelter Strategien sind Koalas effiziente Wassersparer und können gut mit hohen Temperaturen umgehen. Immer wieder auftretende Hitzewellen von über 35 Grad und Dürreperioden bringen jedoch auch sie an ihre Grenzen. Ihre Wärmestrategien versagen dann. Koalas gelten daher als besonders anfällig für den Klimawandel. (pd.)

Gwunderbrunnen

31.07.2026 - 14:00
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