Entlassungen im Glattpark: Takeda baut jede vierte Stelle ab

Roger Suter

Ein dunkler Tag für den Wirtschaftsstandort Opfikon: Der japanische Pharmariese Takeda streicht an seinem Standort an der Thurgauerstrasse bis zu 280 Stellen. Von den derzeit noch gut 1100 Personen im Glattpark verliert damit fast jede vierte ihre Stelle.

Es ist bereits das zweite Spar­programm innerhalb von zwei Jahren: 2024 hatte Takeda hier 120 Arbeitsplätze gestrichen.

Derzeit laufe ein Konsultationsverfahren mit der Belegschaft, und es gebe einen Sozialplan. Es wird auch nicht ausgeschlossen, dass am Ende weniger Stellen wegfallen könnten. Zudem will Takeda im Zuge der globalen Umstrukturierung auch neue Funktionen nach Opfikon verlagern, was Jobs bringen könnte. Weltweit sollen dem Sparprogramm rund 4500 der gut 49 000 Stellen zum Opfer fallen. Vom «Portikon»-Gebäude (in dem während einiger Jahre das beliebte Food-Festival stattfand) aus steuert das Unternehmen das Europageschäft und ist einer der bedeutendsten Arbeitgeber in der Stadt.

Neue Besen kehren gut …

Auslöser der neuerlichen Restrukturierung ist ein Führungswechsel an der Konzernspitze. Im Juni übernimmt die Amerikanerin Julie Kim das Ruder von Langzeitchef Christophe Weber. Die 55-jährige Managerin mit koreanischen Wurzeln kennt die Schweiz – sie hat unter anderem hier gelebt. Es sei normal, so Giles Platford der NZZ, der bei Takeda das Nicht-US-Geschäft verantwortet, dass ein neuer CEO die Organisationsstruktur auf den Prüfstand stelle.

Die Entlassungen reihen sich in eine beunruhigende Entwicklung im Schweizer Pharmasektor ein. Novartis hat in Stein bis zu 550 Stellen gestrichen, Pfizer baute in der Schweiz 170 Stellen ab, und der Auftragsfertiger Corden Pharma entschied sich, seine neue Produktionsanlage statt in der Schweiz in den USA zu bauen. Opfikon und die Schweiz stehen damit vor der Frage, wie der Pharmastandort langfristig gestärkt werden kann.

Der über 130-jährige Pharmahersteller hatte 2018 den irischen Konkurrenten Shire, Weltmarktführer im Bereich seltener und komplexer Erkrankungen, für 62 Milliarden Dollar übernommen und den Umsatz verdoppelt. Gleichzeitig kämpft Takeda mit der Schuldenlast und um das Vertrauen der Aktionäre. Das schlug sich auch in einem geringeren Wachstum nieder. Hoffnung schöpft man aus drei neuen Medikamenten, unter anderem gegen seltene Krankheiten.