Dr. Gamble: Bis auf den letzten Platz

Ausgerechnet heute haben alle Theater der Stadt Premierenabend! Schauspieler und Bühnencrew sind bereit. Doch nun geht es darum, die Plätze im Saal möglichst optimal zu füllen. Denn die Gäste sind anspruchsvoll und haben genaue Vorlieben.

Genau dieser Aufgabe nehmen sich die Spieler in «Ausverkauft» an. Wer es schafft, seine Theaterbesucher bestmöglich zu platzieren, gewinnt. Auf seinem Sitzplan sind die verschiedenen Kategorien für Presse, Prominente, Politiker und reguläre Gäste farblich markiert, es gibt auch «Fan-Plätze», Säulen oder Gruppensymbole.

Was überhaupt Punkte bringt, verraten vier zufällig gezogene Wertungskarten. So kann es lukrativ sein, eine Kategorie möglichst zu füllen, alle «Fan-Plätze» zu vergeben, ganze Reihen oder Spalten zu füllen oder Plätze hinter Säulen zu verkaufen.

Bevor es losgeht, legt man jeweils zwischen zwei Spielern ein Platzanweiser-Tableau. Dieses zeigt je ein Ticket in den vier Farben. Darauf ist ein Muster aus acht Kästchen abgebildet und zwei Aktionsleisten – je eine für den Spieler links und rechts davon.

 

«Etliche spannende Kniffe he-ben es von anderen ‹Ich zeichne was auf meinem Plan ein›-Spielen ab.»

Thomas Enderle, Spieletester

 

Gespielt wird über 14 Runden, wobei alle jeden ihrer Züge gleichzeitig durchführen. Auf dem Platzanweiser-Tableau zu seiner Rechten wählt man ein Ticket und streicht eines der acht Kästchen darauf aus. Die verbleibende Form darf man nun auf seinem Sitzplan einzeichnen und die Plätze so besetzen. Dabei muss mindestens einer der vergebenen Sitze in der Farbe des Tickets sein. Ausserdem streicht man noch eine der sieben Aktionen, die man nur einmal nutzen kann. So kann man zum Beispiel die Form drehen oder spiegeln oder muss sich nicht an die Farbvorgabe halten. Braucht man keine der Aktionen, kann man dafür Punkte einheimsen.

Ist jeder fertig, nimmt man das Ta­bleau auf der anderen Seite und führt den nächsten Zug aus. So wechselt man zwischen beiden Seiten, bis alle Aktionen aufgebraucht wurden.

Bei der Wertung zählen nun die Wertungskarten, die direkten Siegpunkte und die Mehrheiten auf den Tableaus: Dafür wird für jedes Ticket links und rechts geschaut, welcher der beiden Spieler mehr Felder abgestrichen hat. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt.

Dr. Gamble meint: «Ausverkauft» hat etliche spannende Kniffe, die es von anderen «Ich zeichne was auf meinem Plan ein»-Spielen abhebt: Das geteilte Tableau mit den Spielnachbarn ergibt etwas Interaktion, was erfrischend ist. Dass die Formen, die man einzeichnen darf, fortlaufend kleiner werden, ist spannend. Und nicht zuletzt die Entscheidung, auf welche Aktionen man zugunsten von Punkten verzichtet, ist knifflig. Schade allerdings, dass die Pläne gar klein und die mitgelieferten abwischbaren Stifte dafür zu grob sind. Das Theaterthema wird nicht gross vermittelt, obwohl das Spiel schön gestaltet ist. Da bleibt ein etwas mechanischer Eindruck zurück. Da alle gleichzeitig spielen, macht es ein flüssiges Spiel, und die unterschiedlichen Wertungskarten sorgen für Abwechslung.

Dr. Gambles Urteil: 3,5/5

 

«Ausverkauft» von Eloi Pujadas & Ferran Renalias, Pegasus-Spiele, 1–6 Personen, ab 8 Jahren