Dr. Gamble: Die andere Seite der Piraten

Segel setzen und auf zur Schatzjagd! Das Schiff ist parat, um durch die Weltmeere zu pflügen. Doch noch fehlt die Besatzung. Denn auch der beste Seebär ist nur so gut wie seine Mannschaft. Das müssen die Spieler beim Familienspiel «Captain Flip» unter Beweis stellen. Jeder versucht, seine Crew so zusammenzustellen, dass sie gewinnbringend zusammenarbeitet.

Jeder erhält ein Spieltableau mit ­einem Schiff. Darauf sind in einem Raster Felder angeordnet, die Platz für die zukünftige Piratenbande bieten. Reihum geht es nun darum, die einzelnen Spalten von unten nach oben mit Crew-Mitgliedern zu füllen.

Ist man am Zug, erhält man einen Beutel mit unzähligen Mannschaftsplättchen. Diese zeigen auf beiden Seiten einen von neun verschiedenen Charakteren. Blind zieht man ein Plättchen heraus und sieht sich eine Seite an. Die Rückseite muss verborgen bleiben.

Jetzt kommt die Entscheidung: Nimmt man diesen Charakter in seine Crew auf und legt ihn auf ein freies Feld? Oder verzichtet man darauf, da er gerade gar nicht auf das eigene Schiff passt? Dann allerdings muss man das Plättchen umdrehen und die Figur der Rückseite auf dem Schiff unterbringen.

 

«Blind in einen Sack zu greifen, löst spannendes Prickeln aus.»

Thomas Enderle, Spieletester

 

Die neun Charaktere haben unterschiedliche Effekte: Der Matrose zum Beispiel bringt am Ende mehr Münzen ein, je mehr davon an Bord sind. Die Kanonierin dagegen gibt einem sofort fünf Münzen. Hat man allerdings bei Spielende drei oder mehr davon auf dem Schiff, verliert man. Der Kartograf allein wirft nur eine Münze ab. Heuert man eine Navigatorin an, erhält man pro Kartograf zwei Münzen. Der Ausguck gibt vier Münzen, aber nur, wenn sich niemand über ihm in der Spalte befindet. Der Papagei kostet zwar eine Münze, erlaubt aber gleich noch einen Zug. Und der Affe erlaubt es, ein angrenzendes Plättchen zu wenden. Gut, wenn man so Kanonierinnen loswird, denn die Zimmerin zum Beispiel gibt am Ende nur Geld, wenn in ihrer Reihe oder Spalte keine Kanonierin liegt.

Je nach Spielplan – es gibt vier verschiedene in der Box – gibt es Boni, wenn man eine der unterschiedlich langen Spalten füllt. Und damit steuert man auch das Spielende: Sobald ein Spieler vier der fünf Spalten gefüllt hat, wird die aktuelle Runde noch beendet und dann wird ausgewertet. Wer das meiste Geld scheffeln konnte, gewinnt.

Dr. Gamble meint: Schnell erklärt, schnell gespielt – «Captain Flip» bringt die ganze Familie an den Tisch. Es meistert die Balance zwischen Glück und Planung, sodass Kinder und Erwachsene Spass haben. Blind in einen Sack zu greifen und zu schauen, ob es genau der erhoffte Charakter ist, löst spannendes Prickeln aus. Und natürlich die Entscheidung: Behält man den Spatz in der Hand oder dreht man das Plättchen um und hofft auf die Taube auf dem Dach? Die einzelnen Spielzüge sind kurz und so geht das Spiel auch bei Vollbesetzung von fünf Spielern flott voran. Das brachte «Captain Flip» 2024 die Nomination für das «Spiel des Jahres» ein. Zwar bieten die Schiffspläne Variation, doch nach ein paar Partien wünscht man sich mehr. Wen wundert’s, dass dieses Jahr die Erweiterung «Captain Flip: Isla Bomba» erschienen ist.

Dr. Gambles Urteil: 4/5

«Captain Flip» von Paolo Mori & Remo Conzadori, PlayPunk, 2–5 Spieler, ab 8  Jahren