Die Kirchen können fusionieren

Roger Suter

Die drei reformierten Kirchgemeinden von Kloten, Opfikon und Wallisellen schliessen sich Anfang 2028 zur neuen Kirche an der Glatt zusammen. Am deutlichsten war die Zustimmung in Opfikon, am knappsten in Wallisellen.

Die Stimmberechtigten aller drei Kirchgemeinden haben am Abstimmungssonntag vom 14. Juni der Fusion zugestimmt. In Kloten waren es 1004 Ja zu 378 Nein, was einem Ja-Anteil von 72,7 Prozent entspricht. In Opfikon waren es sogar 85 Prozent (670 Ja zu 121 Nein). Am knappsten war das Ergebnis in Wallisellen mit 767 Ja zu 534 Nein, was ein Ja-Anteil von 59 Prozent ist. Ein Grund dürfte sein, dass Wallisellen die Kirchensteuern um 1 auf die gemeinsamen 8 Prozent erhöhen muss, während Kloten seine Steuern um ein Prozent senken kann. Zudem gab es in Wallisellen die grössten Bedenken seitens der Pfarrerinnen und Pfarrer sowie der Angestellten (Ausgabe vom 7. Mai).

Brigitta Steinemann ist mehr als glücklich, dass Opfikon so klar zugestimmt hat. «Ich denke, für uns ist es die absolut richtige Entscheidung», so die Opfiker Kirchenpflegepräsidentin, «auch deshalb, weil wir die kleinste der drei Gemeinden sind und wahrscheinlich am meisten um unsere sonntäglichen Gottesdienste kämpfen müssten.» Sie habe mit einer Zustimmung von gut zwei Drittel gerechnet. «Dass es jetzt 85 Prozent  sind, stimmt mich natürlich noch positiver.» Das klare Ja sei ein schönes Zeichen, dass es so gemeinsam in die Zukunft gehe; darauf sei sie gespannt.

Kritikpunkte habe man schon bei den  vorgängigen Infoveranstaltungen aufgenommen und werde sie in die Umsetzung einfliessen lassen. «Wir nehmen diese kritischen Stimmen und Ängste sehr ernst. Wir wollen ja zufriedene Mitglieder haben.» Bedenken gab es etwa, dass weniger mobile Menschen nur mit Mühe Veranstaltungen in den anderen Gemeinden besuchen könnten. «Das wollen wir selbstverständlich ermöglichen.»

Mit Workshops zur Umsetzung will man auch die Bedenken von Pfarrpersonen und Mitarbeitenden berücksichtigen. Abgänge deswegen erwartet Brigitta Steinemann nicht – im Gegenteil: Durch die Fusion würden die Stellen auch interessanter: «Schon heute gibt es Leute, die in zwei Gemeinden arbeiten», weiss Brigitta Steinemann. «Für sie ist die gemeinsame Zukunft sicher positiv.»

Entscheid mit hoher Legitimation

In Wallisellen waren die Bedenken gegenüber einer Fusion am grössten. Kirchenpflegepräsidentin Esther Kissling ist aber überzeugt, dass dieser Widerstand nicht grundsätzlich gegen die Fusion gerichtet, sondern auch eine Momentaufnahme der Befindlichkeit gewesen sei. «Wir haben die Fusion im Vorfeld gut zusammen vorbereitet.» Mit Abgängen rechnet auch Kissling nicht.

Sie betont zudem die hohe Legitimation des Entscheides: «52 Prozent unserer Stimmberechtigten haben abgestimmt.» In Kloten betrug die Stimmbeteiligung 44,8 Prozent, in Opfikon 46 Prozent.

Kissling hat Verständnis für die Skeptiker, welche das Bewährte ohne Veränderungen fortführen möchten. «Es ist aber ein strategischer Entscheid über die fernere Zukunft unserer Kirche. Inhaltlich wird sich vorerst nicht viel ändern – und vor allem nicht ab-, sondern eher ausgebaut.» Weiterhin werde es in allen drei Kirchen sonntags Gottesdienste geben. Denn die Fusion sei nicht aus der Not geboren; alle drei Kirchgemeinden stünden finanziell gut da.  Kissling rechnet zudem damit, dass in der grösseren Kirchgemeinde auch die Arbeit vielfältiger und die Pensen dadurch grösser werden, was die Attraktivität der Arbeitsstellen erhöht. «50-Prozent-Stellen sind heute weniger gefragt», weiss die Kirchenpflegepräsidentin.

Zusammenarbeit soll starten

Peter Reinhard, Präsident der Kirchgemeinde Kloten, betont, dass auch die 59  Prozent Ja in Wallisellen deutlicher als das Nein zur Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» war. Und die im Vorfeld aufgeflammte Opposition der Klotener Pfarrschaft sei nicht fundamental; sie habe ja das theologische Leitbild der neuen Kirche erstellt. Die bereits erfolgten oder noch folgenden personellen Wechsel in Kloten hätten gemäss Reinhard nichts mit der Fusion zu tun. «Selbstverständlich nehmen wir jede Anregung ernst und prüfen sie», versichert Reinhard.

Wesentlich sei nun, dass die Pfarrpersonen, Diakone und Angestellten aller drei Kirchgemeinden nun zusammenarbeiten. Das Personal soll sich kennen lernen und in den verschiedenen Berufsgruppen seine Erfahrungen und sein ­Wissen austauschen, schreiben die Kirchgemeinden in einer gemeinsamen Mitteilung. So sollen alle Berufsgruppen profitieren und der Zusammenhalt in der Kirchgemeinde gefördert werden. Zudem müssen die technischen Bereiche wie Finanzen, Liegenschaftenverwaltungen sowie diverse bestehender Reglemente zusammengeführt werden.

Die bisherige Lenkungsgruppe wird durch eine Steuergruppe ersetzt; sie soll die Organisation der neuen Kirchgemeinde vorbereiten und den Zusammenschluss vorantreiben. Ihr werden deshalb nebst den beiden bisherigen Präsidentinnen und dem Präsidenten eine Vertretung der Pfarrpersonen und Mitarbeitenden angehören.

Nächste Abstimmung: 29. November

Nächster Fixpunkt im Fusionsprogramm ist der Urnengang am 29. November 2026: Dann stimmen die Mitglieder über die neue Kirchgemeindeordnung ab – erstmals als gemeinsame «Kirchgemeinde an der Glatt».

Bei einem Ja finden am 28. Februar 2027 die Wahlen für die neue Kirchenpflege statt (eventueller zweiter Wahlgang am 6. Juni 2027): Sie soll 7 Personen umfassen und sich in erster Linie um strategische Fragen kümmern; die «Alltagsgeschäfte» der Kirchgemeinde werden dann von einer noch zu bestimmenden Geschäftsleitung besorgt.

Kandidaturen sind dabei ganz bewusst noch keine bekannt – weder von Bisherigen noch von neuen. «Diesen Prozess wollen wir gemeinsam und offiziell starten», sagt Esther Kissling. «Wahrscheinlich nach den Sommerferien.» In Wallisellen seien alle Kirchenpflegemitglieder zwischen 8 und 12 oder noch mehr Jahren dabei und hätten sich bereit erklärt, bis zur Fusion im Amt zu bleiben und den Prozess so zu unterstützen. Gemäss Brigitta Steinemann sei man bemüht, eine komplette Liste mit Kandidierenden möglichst aus allen drei Orten zu zusammenzustellen.

Läuft alles nach Plan und genehmigt auch der Kirchenrat, das Aufsichtsorgan der Zürcher Kirchgemeinden, diese Fusion, würde die neue, grosse Kirchgemeinde  am 1. Januar 2028  «in Betrieb gehen» – und in einem längeren Prozess vollends zusammenwachsen.