Der Rasen ist braun – was nun?
Braun statt grün: Der Rekordsommer hat in den Gärten seine Spuren hinterlassen. Rainer Schneebeli, Mitinhaber der Wartmann AG in Volketswil, erklärt, wie man erkennt, ob der Rasen noch lebt – und wie man ihn rettet.
Der heisseste Sommer seit Messbeginn liegt hinter uns, der Rasen ist braun. Was macht man jetzt?
Rainer Schneebeli: Da auch weiterhin keine nennenswerten Niederschläge vorausgesagt werden, sollte man mit der Rasensanierung noch bis Mitte oder Ende September zuwarten. Es empfiehlt sich aber, die abgestorbenen Pflanzenteile so rasch wie möglich zu entfernen, da sie eine potenzielle Regeneration der Rasengräser stören.
Wie viel Regen braucht es, damit eine Nachsaat überhaupt Sinn macht?
Obwohl unsere Böden nach Wasser lechzen, ist für die Nachsaat nicht die eigentliche Menge von Wasser entscheidend, sondern deren Regelmässigkeit. Die Wurzeln von jungen Gräsern befinden sich naturgemäss in den obersten Bodenschichten, welche bei Sonnenschein und Wind sehr rasch austrocknen können. Entweder regnet es in den ersten Wochen nach der Nachsaat regelmässig, oder man muss mit künstlicher Bewässerung unterstützen.
Woran erkennt man, ob sich eine braune Fläche noch erholt – oder ob sie definitiv hin ist?
Aufgrund des erheblichen Wassermangels und der Temperaturen deutlich über 30 Grad wurde das Wachstum der Vegetation stark gebremst, was ohne künstliche Bewässerung zu einer frühzeitigen braunen Verfärbung sowie zu einer weitreichenden Austrocknung der Rasenflächen führte. In vielen Bereichen wurde die Vegetationsdecke derart stark beschädigt, dass lückige Stellen oder sogar vollständig kahle Flächen mit komplett abgestorbenen Gräsern entstanden. Es ist zu erwarten, dass sich diese Flächen nicht mehr von selbst regenerieren werden.
Und wie finde ich heraus, ob mein Rasen dazugehört?
Tipp zur Beurteilung der verbliebenen Regenerationskraft: Entnehmen Sie mit dem Spaten ein vertrocknetes Rasenstück von etwa 10 × 10 × 5 cm. Legen Sie das Rasenstück so lange in einen Eimer mit Wasser, bis es komplett mit Wasser vollgesogen ist. Schütten Sie das überschüssige Wasser aus. Das Rasenstück verbleibt im Eimer. Wenn Sie nach zwei bis drei Tagen weisse Wurzeln an der Unterseite des Rasenstückes sehen, ist der Rasen noch vital. Bei regelmässiger Wasserversorgung wird sich der Rasen erholen. Wenn die Rasenstücke keine Reaktion zeigen, dann ist mit einem Totalausfall zu rechnen, und die Fläche muss neu erstellt werden.
Welche Saatmischung empfehlen Sie für die kahlen Stellen?
Die richtige Wahl der Saat- und Nachsaatmischungen wird ein entscheidender Faktor sein, um die Nachhaltigkeit und Langlebigkeit der zu sanierenden Flächen sicherzustellen. Angesichts des Klimawandels sowie der zunehmenden Häufigkeit von Hitzeperioden, Trockenheit und Krankheitsdruck haben Pflanzenzüchter neue Generationen von Rasengräsern entwickelt, die deutlich robuster sind als die Sorten, die noch vor wenigen Jahren eingesetzt wurden.
Gibt es eine Grasart, die Sie besonders empfehlen?
Je nach Standortbedingungen und geplanter Nutzung kann die Integration von Rohr-Schwingel (Festuca arundinacea) eine besonders sinnvolle Lösung darstellen. Dank seines tief reichenden Wurzelsystems sowie seiner hohen Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenheit, Trittschäden und den wichtigsten Rasenkrankheiten erfüllt diese Grasart die heutigen Anforderungen an eine nachhaltige Bewirtschaftung von Grünflächen in ganz besonderem Masse.
Und was macht man im nächsten Frühling anders, damit die Fläche den kommenden Sommer besser übersteht?
Neben der bereits angesprochenen Auswahl trockenheitstoleranteren Gräserarten ist auch die Nährstoffversorgung wichtig. Gesunde und vitale Gräser halten bei Stressperioden deutlich länger durch. Gerade in Hausgärten wird der genügenden Nährstoffversorgung zu wenig Beachtung geschenkt. Obwohl moderne Rasendünger eine gute Langzeitwirkung aufweisen, sollen pro Jahr 4 bis 5 Düngergaben gemacht werden. Damit verringert sich auch gleich die Unkrautproblematik. Ein dicht wachsender, gesunder Rasen ist konkurrenzstark genug, um den vorhandenen Platz ganz für sich allein zu beanspruchen.
Und ganz grundsätzlich: Muss es überhaupt wieder ein Rasen sein?
Nein, und diese Frage stellt sich nach einem solchen Sommer zu Recht. Wo Kinder spielen und die Fläche genutzt wird, ist ein strapazierfähiger Rasen weiterhin sinnvoll. Bei reinen Zierflächen lohnt sich hingegen der Blick auf Alternativen. Ein Blumenrasen wächst niedrig, darf betreten werden und muss nur wenige Male im Jahr gemäht werden. Auf trockenen, nährstoffarmen Böden ist eine Magerwiese die bessere Lösung, weil sie mit genau den Bedingungen zurechtkommt, an denen der Rasen in diesem Sommer gescheitert ist.
Rasen retten nach der Trockenheit: die Anleitung in sechs Schritten
1 Rasen mähen
Den Rasen tief mähen, damit der alte Gras-/Unkrautbestand in seiner weiteren Entwicklung gehemmt wird. Die Unebenheiten sind nun sichtbar und die Rasenerde kann dank dem kurzen Gras einfacher eingearbeitet werden.
2 Vertikutieren
Den Rasen kreuzweise vertikutieren und das aufgeworfene Material vollständig entfernen. Den Vertikutierer dabei so einstellen, dass dessen Messer den Boden nur ganz leicht anritzen.
3 Rasenerde
Je nach Ebenflächigkeit 5 bis 10 l/m2 Rasenerde auf die Fläche verteilen und mit einem Schleppnetz oder Rechen einarbeiten.
4 Ernährung und Nachsaat
Zuerst zur Nährstoffversorgung der Nachsaat einen geeigneten Rasendünger ausbringen. Bei mineralischen Düngern 50 g/m2 und bei organischen Düngern 100 g/m2 ausbringen. Zur Nachsaat 20 bis 30 g/m2 einer hochwertigen Rasengräser-Mischung regelmässig auf der Fläche verteilen. Anschliessend leicht in den Boden einarbeiten und zuletzt mit einer leichten Walze für idealen Bodenkontakt des Saatgutes sorgen.
5 Bewässern
Während der Keimphase ist eine regelmässige Bewässerung unerlässlich. Mehrmals täglich (2 bis 3 leichte Beregnungen pro Tag) sollte die Oberfläche dauerhaft feucht gehalten werden. Dies gewährleistet optimale Bedingungen für die Keimung und das Anwachsen der neuen Rasensaat. Die beste Zeit zum Wässern ist jeweils am frühen Morgen. Mit Fortschritt des Aufwuchses kann die Anzahl der Beregnungen reduziert werden.
6 Mähen
Der erste Schnitt erfolgt, sobald der neue Rasen eine Höhe von 5 bis 7 cm erreicht hat. Die Schnitthöhe sollte dabei auf maximal 4 cm abgesenkt werden. Achten Sie zudem auf scharfe Messer beim Rasenmäher und arbeiten Sie mit einem Mäher mit Fangsack. Zu Beginn nie mit dem Rasenroboter mähen, da dieser das Schnittgut auf den jungen Rasenpflanzen liegen lässt und diese erstickt. Wichtige Mähregel: Pro Mähdurchgang sollte nie mehr als ein Drittel der aktuellen Grashöhe entfernt werden. (ts.)