Der Hitzesommer bremst die Pilzsaison

Dennis Baumann

Der heisse Rekordsommer hat den Pilzen im Zürcher Unterland zugesetzt: Im Flachland bleibt die Ausbeute mager und die Artenvielfalt isteingeschränkt. Ramona Egger und Thomas Wälchli von der Amtlichen Pilzkontrolle Zürcher Unterland erklären, weshalb sich die Saison verzögert.

Wer aktuell im Zürcher Unterland Pilze sucht, braucht Geduld. «Das Problem ist, dass es lange trocken war», sagen ­Ramona Egger und Thomas Wälchli von der Amtlichen Pilzkontrolle Zürcher Unterland. In höheren Lagen sei die Situation etwas besser, weil es dort mehr Niederschlag gegeben habe. Denn Pilze gedeihen am besten, wenn es etwas feucht ist.

Vom Hitzesommer betroffen sind nicht nur die Pilze selbst, sondern der ganze Wald. Die Bäume litten unter der Trockenheit, und weil viele Pilzarten mit ihnen eine Symbiose eingehen, bekommen auch sie die Folgen zu spüren.

Wenig Vielfalt im Flachland

Ganz ohne Pilze ist das Zürcher Unterland trotzdem nicht. «Es hat schon Pilze», sagt Egger. Zu den am meisten gesammelten Arten der Region zählen Röhrlinge, Steinpilze, Eierschwämme, Parasole, Hallimasche und Täublinge.

Diesen Sommer wuchsen aber davon nur wenige: einzelne Täublinge und Röhrlinge, die meisten davon sind aber bereits verschimmelt. Steinpilze oder Eierschwämme habe es im Flachland praktisch keine gegeben, sagt Thomas Wälchli. Erst ab rund 1200 Metern Höhe habe er vereinzelt Steinpilze gefunden.

Das zeigt sich auch bei der Kontrolle. Viele der bisher vorbeigebrachten Pilze stammen laut Wälchli aus höheren Lagen. Pilze kann man dennoch überall sammeln, wenn auch weniger als in früheren Jahren.

Wichtig ist, dass man sich an die kantonalen Vorgaben hält. Die Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane informiert online über die geltenden Sammelbeschränkungen. Im Kanton Zürich gilt: ausserhalb von Naturschutzgebieten sammeln und die Schontage vom 1. bis 10. jedes Monats einhalten sowie maximal ein Kilogramm Pilze pro Person und Tag.

Nur halb so viele Kontrollen

Wie stark der Sommer die Saison gebremst hat, zeigt die Zwischenbilanz. Seit Mitte August seien 14 Personen zur Kon­trolle gekommen, etwa halb so viele wie in einem durchschnittlichen Jahr. Im August habe es fast gar keine Pilze gegeben, sagt Wälchli, seit Mitte September wüchsen sie langsam wieder etwas nach. Wie sich die Lage weiter entwickelt, hängt vom Wetter ab. Bleibt es feucht, könnten laut Egger Mitte Oktober wieder deutlich mehr Pilze zu finden sein. In den letzten zehn Jahren sind die Sommer stetig heisser geworden, die Pilze brauchen entsprechend länger zur Erholung. Dieser Sommer ist bislang der heisseste seit Messbeginn gewesen.

Bei der Kontrolle selbst zählt vor allem Erfahrung. Egger und Wälchli bestimmen die meisten Pilze makroskopisch, also anhand äusserer Merkmale: Lamellen oder Röhren, die Form des Stiels, feine Härchen oder die Beschaffenheit der Haut. «Alles, was wir zu Speisezwecken freigeben, können wir makroskopisch bestimmen», sagt Egger.

Bleiben Zweifel, wird der Pilz nicht freigegeben. Ein und dieselbe Art kann je nach äusseren Einflüssen unterschiedlich aussehen, etwa der Fliegenpilz, der nicht immer rot mit weissen Punkten ist, sondern auch gelblich und punktlos auftreten kann.

Alle Pilze kontrollieren lassen

In der Regel werden nur die beanstan­deten Exemplare konfisziert und in der Natur wieder ausgestreut, der Rest wird dem Sammler freigegeben.

Eine Ausnahme bildet der Knollenblätterpilz oder einzelne andere Arten. Schon wenige seiner Krümel können andere Pilze im Korb kontaminieren, weshalb dann der ganze Fund entsorgt wird. Ramona Egger rät allen Sammlerinnen und Sammlern, unabhängig vom Erfahrungsstand ihre gesamte Ausbeute zur Kontrolle zu bringen: «Man muss keine Angst haben, etwas Falsches mitzubringen. Es ist besser, auf der sicheren Seite zu sein.» Die Kontrollstelle in Kloten ist bis Ende Oktober besetzt und danach per E‑Mail erreichbar.

 

Pilze richtig sammeln

  • Der richtige Korb: Atmungsaktiven Pilzkorb statt Plastiksack verwenden – darin verdirbt ein Pilz innert Stunden. Pilze in Plastiksäcken werden nicht freigegeben.
  • Nur begehbare Wege: Nur dort suchen, wo man aufrecht gehen kann. Dickicht bleibt den Tieren vorbehalten.
  • Wenig, aber bewusst: Drei bis vier bekannte Sorten auswählen. Wer sich wenig auskennt, sammelt entsprechend weniger.
  • Richtig herausdrehen: Pilz samt Stiel vorsichtig herausdrehen, nicht abschneiden oder ausreissen. Entstandenes Loch im Boden wieder zudecken.
  • Getrennt aufbewahren: Pilze nach Art getrennt transportieren, Unbekanntes separat halten.
  • Rasch zur Kontrolle: Noch am selben oder spätestens am nächsten Tag zur Pilzkontrolle bringen. Pilze sind leicht verderblich.

Wichtig: Keine Apps und keine künstliche Intelligenz verwenden. Zur Bestimmung taugen weder Apps noch KI zuverlässig. Die Bestimmung der Pilzart und ob der Fund zu Speisezwecken freigegeben werden darf übernimmt die Amtliche Pilzkontrolle.  

Pilzkontrollstelle Kloten, Atrium, Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde, Dorfstr. 28, Kloten. Noch bis 31. Oktober: Dienstag, 17.30 bis 19 Uhr, Samstag, 17.30 bis 19 Uhr.Die Pilzkontrollstelle ist während der Schonzeit (1. bis 10. jedes Monats) geschlossen.

Gwunderbrunnen

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