Der FC Glattbrugg darf sich «SFV Quality Club» nennen

Dennis Baumann

Der FC Glattbrugg hat das Zertifikat «SFV Quality Club» erhalten. Bei der Feier mit Ehrengästen und Apéro blickten der Schweizerische Fussballverband, Stadt und Verein auf den Weg dorthin zurück, aber auch nach vorne in die Zukunft.

Für die Wirtschaft gibt es ISO-Zertifizierungen. Damit bestätigen unabhängige Prüfstellen, dass bestimmte Standards eingehalten werden. Der Schweizerische Fussballverband (SFV) hat für seine Vereine auch ein Label geschaffen – und der FC Glattbrugg erfüllt alle Bedingungen. Vereinspräsidentin Eleni Chouchourelos freut sich über die Auszeichnung zum «SFV Quality Club»: «Wir können wirklich stolz auf uns sein, nicht nur der Vorstand, sondern der gesamte Verein.»

Am vergangenen Samstagnachmittag lud der FC Glattbrugg deshalb zum Fest. Ehrengäste und Vereinsmitglieder kamen, um mitzufeiern. Vertreter des SFV, des Fussballverbandes der Region Zürich (FVRZ), der Stadt Opfikon und des Vereins blickten bei einem Podiumsgespräch unter der Leitung von Matthias Krummen, beim SFV für das Zertifikat verantwortlich, auf den Weg zum Label zurück. Danach folgten die Übergabe des Zertifikats und der Apéro.

Stadtpräsident Roman Schmid eröffnet die Runde. Er spielte selbst bei den E-, D- und C‑Junioren des FC Glattbrugg. «Vereine übernehmen wichtige Aufgaben bei Integration, Jugend und Ausbildung und nehmen uns einen Teil der Arbeit ab», sagt er. «Ich bin stolz auf die Arbeit, die der FC Glattbrugg leistet.»

Alles auf den Tisch

Der Weg zum Label begann früher, als man denkt. Im Oktober 2022 besuchte Präsidentin Eleni Chouchourelos den SFV‑Workshop für Clubmanagement bei der Swiss Olympic Academy. Der erste ­Anlauf für die Bewerbung für das Label klappte nicht. Der Verein blieb dran und leistete entsprechende Vorarbeit. Beim zweiten Mal ging es auf. «Wir haben die Grösse eines mittleren KMU», sagt Chouchourelos. Das Ziel: sich mehr professionalisieren und den Spielerinnen und Spielern Qualität bieten.

Hinter der Auszeichnung «SFV Quality Club» steckt viel Arbeit. Nicht nur Vereinspräsidentin Eleni Chouchourelos dokumentierte alle internen Prozesse. Unterstützt wurde sie von Claudio Sebastiao, Kommunikationsverantwortlicher beim FC Glattbrugg. «Er hat einen sehr grossen Beitrag zur Zertifizierung geleistet, unzählige Stunden in die Dokumentation der Standards investiert und mich während des gesamten Prozesses enorm unterstützt», lobt die Präsidentin.

Denn der SFV definiert über 100 solcher Standards, gegliedert in «Club Management», «Football Management» und «Spirit of Football» – vom Umgang mit Schiedsrichtern über Nachhaltigkeitsthemen bis zum Jugendschutz. Wo etwas fehlt, muss der Verein Massnahmen formulieren. Der FC Glattbrugg hat sie in ­einem Strategiepapier festgehalten.

Weitere Schritte, die der FC Glattbrugg unternahm, waren eine SWOT-Analyse (Abkürzung für Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats, zu deutsch Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken) sowie eine Mitgliederumfrage. «Die Umfrage war sehr aufschlussreich», sagt Chouchourelos: «Es ging darum, dass wir uns hinterfragen und Inputs einholen, die wir noch nicht auf dem Schirm hatten.»

«La Familia»

Als Stärke nennt die Präsidentin das familiäre Umfeld: Jeder sei für jeden da, seit Jahren seien dieselben Leute dabei. «Deswegen lautet unser Vereinsmotto ‹La Familia›.» Doch es gebe auch Schwächen. Alles laufe ehrenamtlich, da klappe nicht immer alles perfekt.

Gut ein Jahr begleiteten die SFV-Mentoren Nico Monn und Martin Lampert den Verein. Lampert sieht dieselben ­Stärken wie die Vereinspräsidentin und lobt, dass die Vereinsmitglieder zufrieden sind, besonders bei Infrastruktur, Vereinsloyalität und Kultur.

Mehr als ein Stück Papier

Der Nutzen des Zertifikats liege im Detail, erklärt Nico Monn vom SFV. Beispielsweise bei hindernisfreien Zugängen zum Areal, dem persönlichen Umgang im Verein, Fairplay, Konzepten für die ehrenamtliche Arbeit und vielen weiteren Dingen, die im Alltag leicht untergingen. Darauf wird der Verein nun sensibilisiert und hat einen Anreiz, daran zu arbeiten. Chouchourelos erhofft sich vom Label auch Rückenwind bei der Sponsoren­suche. Es zeige, dass der Verein an sich arbeite und Fairplay ernst nehme.

Für den SFV geht es wiederum darum, Vereine zu unterstützen und damit die Basis zu stärken: «Der Breitenfussball ist das Fundament des Spitzensports», sagt Monn. Dort starteten jene Spieler, die ­irgendwann in der Nationalmannschaft auflaufen.

Der grösste Verein der Stadt

Wie viel der FC Glattbrugg für Opfikon ­bedeutet, zeigt Stadtrat Cirillo Pante, Stadtrat und als solcher Vorstand Bevölkerungsdienste, mit Zahlen: rund 380 Junioren, 44 Aktive und 22 Senioren. Im Verein seien 69 Nationen vertreten. «Das ist ein grosser Integrationsprozess, bei dem der FC Glattbrugg die Stadt unterstützt», sagt er.

Die Stadt hat seit 2012 neun Millionen Franken in die Anlage investierte: Mit­finanzierung einer Holzbrücke über die Glatt für eine leichtere Erreichbarkeit der Sportanlage, LED-Beleuchtungen, gepflegte Plätze. Woran es allerdings fehlt, ist Land: Die Anlage kann nicht grösser werden. Pante bringt deshalb die Schulen ins Spiel, deren Rasen und Garderoben abends oft leer stehen. «Da können wir politisch Hand bieten.»

Frauenfussball im Fokus

Und jetzt? Chouchourelos will den Frauenfussball stärken, «das ist mir ein grosses Anliegen». Im Vorstand sitzen drei Frauen, dieses Verhältnis soll sich im ­ganzen Verein widerspiegeln. Zwei Trainerinnen sind kürzlich dazugekommen. Zudem sollen die B‑Junioren in die 1. Mannschaft hineinwachsen, statt zu Nachbarvereinen zu wechseln. Sportlich bleibt die Präsidentin jedoch bescheiden: «Wenn wir aufstiegen, wäre es schön, aber Stabilität ist das Wichtigste.»

Lampert und Monn blicken zuversichtlich auf die Entwicklung des FC Glattbrugg. Das Mentoring bleibt bestehen, auch mit Blick auf die Rezertifizierung in ein paar Jahren. «Mit dem Zertifikat hört es nicht auf, sondern es fängt erst richtig an», sind sich Vereinspräsidentin und SFV-Vertreter einig.

Doch zuerst darf der FC Glattbrugg ­feiern. Der Verein dürfe stolz sein auf das Label, sagen Lampert und Monn. Der FC Glattbrugg sei ein vorbildlicher Verein in der Region. Nach der Übergabe des Zertifikats und dem Apéro rollt der Ball – bei einem Charity-Spiel zugunsten von Plu­Sport Behindertensport Schweiz.

Informationen: https://org.football.ch