Buchtipp: Das Schönste aller Leben

Nicola Widmer

1760 in der Nähe von Wien. Theresia ist volljährig und weiss, dass sie bald das Haus ihrer Ziehfamilie verlassen muss. Ihr stehen nur zwei Wege offen: sie heiratet jemanden aus dem Dorf oder geht ins Kloster. Als sie zögert, wird ihr ihre Schönheit zum Verhängnis. Sie gilt als begehrenswert und zieht damit das Misstrauen des Dorfes auf sich, ein Verrat scheint ihr Schicksal zu besiegeln.

Fast dreihundert Jahre später trägt auch Vio, ihre Nachfahrin, die Last fragwürdiger Ideale. Kurz nach dem Sturz der Diktatur ist sie als Kind mit ihren Eltern aus Rumänien nach Deutschland geflohen. Dort wird von ihr erwartet, die fleissigste und beste Schülerin zu sein und ausserdem zu einer schönen Frau heranzuwachsen. Nur so, glauben ihre Eltern, könne sie sich einen Platz in der Mitte der Gesellschaft sichern und als «richtige» Deutsche akzeptiert werden. Jahre später scheint Vio dieses Ziel erreicht zu haben: Sie ist verheiratet und Mutter einer zweijährigen Tochter, äusserlich angekommen. Doch als ihre Tochter nach einem Unfall bleibende Narben zu tragen droht, wird Vio von Selbstvorwürfen gequält, und die Last, allen Erwartungen gerecht werden zu müssen, entwickelt eine zerstörerische Kraft.

Der Debütroman von Betty Boras handelt von zwei Frauen, getrennt durch Zeit, verbunden durch Herkunft.

Betty Boras. Das Schönste aller Leben. Hanserblau. 2026.

Informationen: www.opfikon.ch/stadtbibliothek