Big Mac statt Business
Wo einst die legendäre Swissair ihren Hauptsitz hatte, werden schon bald Burger gebraten. McDonald’s plant
im Balsberg-Bürokomplex, der auf Klotener und Opfiker Boden steht, eine weitere Filiale.
Am Balsberg, direkt beim Autobahnanschluss Glattbrugg, soll eine weitere Filiale von McDonald’s entstehen. Es wäre die zehnte Niederlassung der Burgerkette in der Flughafenregion. In Kloten selbst gibt es noch kein McDonald’s: Einzig im Flughafen besteht seit 2003 ein Ableger. Mediensprecher Alberto Picece spricht beim neuen Projekt auf Anfrage von einer «sinnvollen Ergänzung zum bestehenden Standort am Flughafen sowie zu den weiteren Restaurants in der Umgebung». Dass erst jetzt eine Filiale in Kloten eröffnet wird, während beispielsweise in Bülach bereits zwei Filialen bestehen, hänge von verschiedenen Faktoren ab, erläutert Picece. «Unter anderem von
der Verfügbarkeit von geeigneten Liegenschaften oder Bauland, der Eignung der Immobilie für ein McDonald’s-Restaurant, der Verkehrssituation sowie weiteren standortspezifischen Gegebenheiten.»
Am Wochenende bis 4 Uhr offen
Werktags und sonntags soll das Restaurant jeweils bis 1 Uhr, freitags und samstags bis 4 Uhr offen sein. Laut den Unterlagen rechnet das Unternehmen mit 5000 bis 7000 Bestellungen pro Woche. Entsprechend gross dürfte das Publikumsaufkommen sein, weshalb ein Lärmgutachten erstellt werden musste. Dieses kommt zum Schluss, dass der Betrieb höchstens «geringfügig störend» für die nächstgelegenen Wohnhäuser an der Hardackerstrasse sein wird. Die Balkone der betroffenen Gebäude liegen rund 110 Meter entfernt. Die geltenden Planungswerte würden eingehalten. Auch der geplant Betrieb im Aussenbereich mit 56 Sitzplätzen auf einer Terrasse an der strassenseitigen Ecke des Gebäudes bis 24 Uhr wird gemäss Gutachten «höchstens geringfügig störend» sein.
Abfall wird aufgelesen
Mediensprecher Alberto Picece betont ferner: «Das Baugesuch umfasst zudem ein umfassendes Anti-Littering-Konzept, das wir an nahezu 190 Standorten in der Schweiz erfolgreich umsetzen. Damit engagieren wir uns aktiv gegen das gesellschaftliche Problem des Litterings – unter anderem durch reduzierte Verpackungen, zusätzliche Abfalleimer sowie tägliche Aufräumtouren rund um unsere Restaurants. Diese Touren erfolgen in Abstimmung mit den Behörden; dabei wird auch Abfall anderer Anbieter eingesammelt und fachgerecht entsorgt.»
Geplant sind im Innern des Restaurants 180 Sitzplätze. Damit entsteht am Balsberg erstmals ein grösseres Gastroangebot – bislang gibt es im weitläufigen Geschäftshaus neben der Degustationsbar der Mövenpick-Weinkellerei kaum Verpflegungsmöglichkeiten.
Obwohl das Gebäude sogar über einen direkten Autobahnanschluss verfügt, ist kein Drive‑in-Schalter vorgesehen. Picece bestätigt auf Anfrage: «Im Balsberg ist ein einstöckiges Konzept ohne McDrive vorgesehen. Dadurch bleibt der Charakter des Standorts erhalten.» Die Liegenschaft eigne sich optimal für ein McDonald’s-Restaurant mit Service am Tisch, Take-away sowie McDelivery, so der Mediensprecher weiter. Über 16 Besucherparkplätze soll die Filiale dereinst verfügen, 7 bestehen bereits, 9 sollen noch realisiert werden.
Eröffnung bereits im Juni
In den Unterlagen ist von rund 50 Mitarbeitenden die Rede, zwei Drittel davon will man in Teilzeit anstellen. Insgesamt sollen es rund 40 Vollzeitstellen sein. Die Investitionen für Um- und Ausbau beziffert der US-Burgerbrater auf knapp 1,7 Millionen Franken. Geführt werden soll der Betrieb von einem lokalen Lizenznehmer. Das entsprechende Baugesuch lag bis gestern Mittwoch im Stadthaus Kloten öffentlich auf. Sollte die Baubewilligung ohne Verzögerungen erteilt werden, plant McDonald’s, im März mit den Bauarbeiten zu starten. Schon drei Monate später, also im Juni, will man Eröffnung feiern.
Geschichtsträchtiges Gebäude
Das geplante Restaurant liegt formal auf Opfiker Boden, weil die Gemeindegrenze durch den Komplex verläuft. Der grösste Teil des Gebäudes steht aber in Kloten, weshalb das Baugesuch auch dort behandelt wird. Solche grenzüberschreitenden Neubauten wären nach heutigem Zürcher Baurecht nicht mehr zulässig – der Balsberg ist in dieser Hinsicht ein historisches Kuriosum.
Speziell ist aber nicht nur der Standort des Gebäudes, es ist vor allem auch geschichtsträchtig: Bis zum Grounding im Herbst 2001 befand sich hier der Hauptsitz der Swissair. Heute sind Teile des Erdgeschosses im Balsberg-Komplex wenig genutzt. Genau dort soll nun das Restaurant des amerikanischen Burgerbraters entstehen.