Aus der Schulpflege: Sind Wahlplakate noch zeitgemäss? Ein Denkanstoss für unsere Demokratie
Alle paar Jahre wieder prägen sie das Stadtbild: Wahlplakate an Strassenlaternen, Zäunen und Verkehrskreiseln. Gesichter lächeln uns entgegen, Schlagworte versprechen einfache Lösungen für komplexe Probleme. Doch stellt sich zunehmend die Frage: Sind Wahlplakate in ihrer heutigen Form überhaupt noch zeitgemäss?
Der Aufwand ist beträchtlich. Gestaltung, Druck, Logistik, Bewilligungen, Montage und späterer Rückbau verursachen hohe Kosten. Gelder, die aus Parteibudgets stammen – also letztlich aus Mitgliederbeiträgen, Spenden und öffentlichen Beiträgen. Gleichzeitig erleben wir immer wieder Vandalismus: beschädigte oder beschmierte Plakate, heruntergerissene Tafeln oder überklebte Botschaften. Das kostet nicht nur zusätzliches Geld, sondern befeuert auch eine politische Kultur, die mehr auf Konfrontation als auf Dialog setzt. Hinzu kommt die ökologische Frage. Tausende von Plakaten werden produziert, transportiert und nach wenigen Wochen wieder entsorgt. In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen eingefordert wird, wirkt dieses Vorgehen aus der Zeit gefallen.
Natürlich erfüllen Wahlplakate einen Zweck: Sie schaffen Sichtbarkeit. Sie erinnern an Wahltermine. Sie vermitteln Präsenz. Doch erreichen sie tatsächlich jene Menschen, die politisch schwer erreichbar sind? Motivieren sie Nichtwählerinnen und Nichtwähler? Oder dienen sie vor allem der Bestätigung der eigenen Anhängerschaft?
«Sichtbarkeit allein genügt nicht – es braucht Dialog, Vertrauen und konkrete Nähe.»
Vielleicht ist es an der Zeit, neu zu denken.Warum setzen sich die Parteien nicht einmal interparteilich an einen Tisch und prüfen gemeinsam alternative Formen des Wahlkampfs? Anstatt hohe Summen in kurzlebige Plakatkampagnen zu investieren, könnten Teile dieser Budgets in Projekte fliessen, die der Bevölkerung direkt zugutekommen – unabhängig von Parteizugehörigkeit. Denkbar wären beispielsweise öffentliche Informationsveranstaltungen mit Rahmenprogramm, politische Begegnungstage auf dem Marktplatz, Podiumsdiskussionen mit offener Fragerunde oder niederschwellige Workshops zur politischen Bildung. Auch kreative Formate – etwa ein gemeinsamer «Demokratietag» mit Musik, Kinderbetreuung und Informationsständen aller Parteien – könnten Hemmschwellen abbauen und Bürgerinnen und Bürger wieder stärker für die politische Mitwirkung begeistern.
Gerade die sinkende Wahlbeteiligung sollte uns zu denken geben. Demokratie lebt vom Mitmachen. Wenn ein wachsender Teil der Bevölkerung sich nicht angesprochen fühlt, dann liegt die Verantwortung nicht nur bei den Bürgerinnen und Bürgern, sondern auch bei den politischen Akteuren selbst. Sichtbarkeit allein genügt nicht – es braucht Dialog, Vertrauen und konkrete Nähe.
Ein interparteiliches Signal hätte zudem eine starke symbolische Wirkung: Konkurrenz in der Sache, aber Zusammenarbeit im Dienst der Demokratie. Parteien könnten zeigen, dass ihnen nicht nur der Wahlerfolg, sondern die demokratische Kultur insgesamt am Herzen liegt.
Wahlplakate werden nicht von heute auf morgen verschwinden. Doch die Frage, wie zeitgemäss sie sind, sollte erlaubt sein. Vielleicht ist es an der Zeit, einen Teil der Ressourcen neu zu denken – weniger Papier an den Strassenrändern, mehr Begegnung auf Augenhöhe.
Unsere Demokratie würde davon profitieren.
In der Rubrik «Aus dem Gemeinderat» (behiehungsweise sporadisch «Aus der Schulpflege») schreiben Opfiker Politikerinnen und Politiker regelmässig Beiträge. Sämtliche im Parlament vertretenen Parteien bekommen hierzu Gelegenheit.