Also doch noch eine Kampfwahl ums Präsidium
Der parteilose Roger Peter fordert Silvia Messerschmidt (SVP) heraus, die von sämtlichen Parteien getragene Vizepräsidentin der Opfiker Schulpflege. Er war von 2006 bis 2016 selbst Schulpfleger, damals für die SVP. Nun übt er scharfe Kritik an der Behörde. Diese verteidigt sich.
Die stille Wahl ist geplatzt. Ende September sah die Ersatzwahl in Opfikon noch nach einer Formsache aus. Mit der Kandidatur von Roger Peter entscheiden nun die Stimmberechtigten an der Urne.
Peter tritt gleich doppelt an: für den frei werdenden Sitz in der Schulpflege und für das Präsidium. Damit fordert er nicht nur die 52-jährige Silvia Messerschmidt (SVP) heraus, sondern auch Thomas Bigliel (FDP), den die Interparteiliche Konferenz (IPK) für den freien Sitz vorgeschlagen hat. Nötig wurde die Ersatzwahl, weil Schulpräsident Reto Bolliger im Sommer seinen Rücktritt bekannt gab.
Rückkehr nach zehn Jahren
«Heute habe ich mehr Zeit als früher und möchte diese Zeit sinnvoll nutzen», schreibt Peter auf Anfrage des «Stadt-Anzeigers». Opfikon und seine Schule seien ihm über viele Jahre ans Herz gewachsen. Er wolle mithelfen, der Schule «wieder die Stärke und Qualität wie damals unter Hans Zolliker zurückzugeben», der von 2005 bis 2014 Schulpräsident von Opfikon war. Selbstverständlich sei der Entscheid nicht gewesen, so Peter. Er habe ihn sich gut überlegt und viele Gespräche geführt: mit Eltern, mit Personen aus dem schulischen Umfeld, mit ehemaligen Lehrpersonen und Schulleitungen. «Diese Gespräche haben mich letztlich darin bestärkt, dass ich meine Erfahrung und meine Zeit wieder für Opfikon und insbesondere für unsere Schule einsetzen möchte», sagt der Kandidat für das Schulpräsidium.
Seit 57 Jahren ist Peter in Opfikon zu Hause. Zwischenzeitlich wohnte er auswärts, weil sich ein Bauvorhaben an der Dorfstrasse verzögerte. Warum kandidiert er nicht wieder für die SVP? Dazu schreibt Peter: «Als ich zurückkam, war es für mich nicht die erste Priorität, mich wieder einer Partei anzuschliessen.»
Kritik an der Schulpflege
Peters Priorität liegt woanders: bei der Schulpflege, in die er zurückwill. Um Schulleitungen oder Lehrpersonen gehe es ihm nicht: «Es geht um die Verantwortung des Gremiums als Ganzes. Wenn ein solches Gremium über längere Zeit nicht richtig funktioniert, hat dies zwangsläufig Auswirkungen auf die gesamte Schule.»
Auf die Frage nach den grössten Herausforderungen für die Schule Opfikon verweist Peter auf den Evaluationsbericht der Sekundarschule Halden zum Schuljahr 2024/25 sowie auf die weiteren Berichte der kantonalen Fachstelle für Schulbeurteilung zu den übrigen Schulanlagen. An der Sekundarschule Halden stellte die Fachstelle in einzelnen Bereichen «wesentliche Qualitätsmängel» fest. Die Schulpflege musste daraufhin Massnahmen anordnen und der Fachstelle innerhalb von vier Monaten über deren Umsetzung Bericht erstatten. Für Peter besteht die zentrale Herausforderung darin, die festgestellten Mängel gezielt zu beheben und die Qualität der Schulen nachhaltig sicherzustellen.
Dass eine systematische Schul- und Unterrichtsentwicklung laut Bericht nicht gewährleistet ist, lastet Peter der Behörde an: «Da die Schulpflege die strategische Verantwortung für die Qualitätssicherung trägt, muss sie sich diese schwerwiegende Einschätzung zurechnen lassen.» Auch dass es im Schulteam an verbindlichen Vorgaben fehle, sieht er als Führungsproblem: «Das ist ein klares Versagen der strategischen Führungsebene, für die die Schulpflege verantwortlich ist.»
Schulpflege wehrt sich gegen Kritik
Die Schulpflege verteidigt sich auf Anfrage: «Die Ergebnisse der Evaluation der Sekundarschule Halden nehmen wir ernst. Auf dieser Grundlage wurde ein Massnahmenplan erarbeitet, mit dem die aufgezeigten Handlungsfelder schrittweise angegangen werden.» Die Behörde begleite die Umsetzung «im Rahmen ihrer strategischen Verantwortung». Im Vordergrund stehe «die nachhaltige Verbesserung der Schulqualität».
Zudem verweist die Schulpflege auf schwierige Zeiten: «Die vergangenen Jahre waren für die Schulpflege und die gesamte Schulorganisation von verschiedenen personellen und organisatorischen Veränderungen geprägt. Solche Entwicklungen stellen hohe Anforderungen an die Zusammenarbeit und die Kontinuität.» Man setze sich «für klare Zuständigkeiten, verlässliche Strukturen und eine konstruktive Zusammenarbeit» ein.
Zuerst Leistung, dann mehr Lohn
Besonders unverständlich ist für Roger Peter, dass die Schulpflege gleichzeitig eine Lohnerhöhung für sich selbst beantragt habe. Für ihn muss «zuerst die Leistung stimmen – dann kommt die Entschädigung».
Die Schulpflege bestätigt den Antrag, ordnet ihn aber ein: «Im Rahmen der laufenden Teilrevision der Entschädigungsverordnung wurde die Schulpflege eingeladen, einen Antrag einzureichen.» Berücksichtigt worden seien dabei «der effektive zeitliche Aufwand, die gestiegenen Anforderungen und Verantwortlichkeiten sowie die zunehmende Komplexität der Aufgaben». Entschieden ist noch nichts: «Der Entscheid über die beantragte Anpassung liegt beim Gemeinderat und steht noch aus.»
Die Schulpflege betont: «Im Zentrum unserer Arbeit stehen das Wohl der Schülerinnen und Schüler, gute Rahmenbedingungen für unsere Mitarbeitenden sowie die Qualität und nachhaltige Weiterentwicklung unserer Schule.»
Im November entscheidet Opfikon
Für den Fall seiner Wahl hält der Parteilose Roger Peter schon heute fest: «Am meisten freue ich mich darauf, mit einem Neuanfang etwas bewegen zu können und die Qualität der Führung wieder zu stärken.»
Ob er dazu Gelegenheit erhält, zeigt sich Ende November. Dann entscheiden die Opfikerinnen und Opfiker, wen sie in der Schulpflege und an deren Spitze sehen wollen. Für den freien Sitz kandidieren Thomas Bigliel und Roger Peter, fürs Präsidium Silvia Messerschmidt und Roger Peter. Ein allfälliger zweiter Wahlgang fände im Februar des kommenden Jahres statt.